15.12.2025

Smarte Weihnachtsgeschenke: Was sie über uns wissen und wie Sie unliebsame Überraschungen vermeiden

Smarte Weihnachtsgeschenke: Was sie über uns wissen und wie Sie unliebsame Überraschungen vermeiden Consumer

Die Freude ist groß, wenn an Heiligabend unter dem Tannenbaum die heiß ersehnte smarte Hörspielbox oder der nagelneue Saugroboter liegt. Mit jedem Jahr kommen mehr Geräte dazu, die sich bequem per App vom Smartphone oder Tablet aus bedienen lassen und sich erst mit unserem WLAN verbinden müssen, um einsatzbereit zu sein. Das Internet of Things (IoT)-Geräte längst in vielen Haushalten angekommen sind, zeigt auch die aktuelle Studie von Bitkom Research: 2024 nutzten bereits 46 Prozent der Befragten Smart-Home-Anwendungen. Nutzerinnen und Nutzer sollten bei all der Freude, die smarte Spielzeuge und Haushaltsgeräte verbreiten, jedoch nicht vergessen, dass mit dem Internet verbundene Geräte auch Risiken bergen.

Tim Berghoff

Die meisten Menschen beschäftigen sich mit einem neuen Gerät und dessen Einstellungen nicht länger als die Zeit, die es dauert, um es zu installieren oder einzurichten. Hier bleibt eine Menge Sicherheits-Potenzial auf der Strecke.

Tim Berghoff

Security Evangelist bei der G DATA CyberDefense AG

Datenprofile: Intime Einblicke in unser Leben

Smarte Technologien sind darauf angelegt, kontinuierlich zu kommunizieren, sobald sie mit dem World Wide Web verbunden sind. Sie tauschen Informationen mit Apps, Cloud-Diensten oder anderen Geräten im Haushalt aus. Im Klartext bedeutet das: Sie sammeln kontinuierlich Daten, die in Summe viel über unseren Alltag und unsere Gewohnheiten verraten. Nehmen wir noch einmal die Beispiele Hörspielbox und Saugroboter vom Anfang. Früher war es der CD-Player, heute ist es die smarte Hörspielbox, die in vielen Kinderzimmern zu finden ist. Sie speichert Interaktionsdaten, aus denen hervorgehen kann, welche Hörspiele Kinder besonders mögen und zu welchen Zeiten sie zuhören. Ein Saugroboter wiederum erstellt einen digitalen Grundriss der Wohnung, erkennt Hindernisse und speichert Reinigungsroutinen. Zusammengenommen zeigen diese Daten, wie der Tagesablauf aussieht und welche Gewohnheiten sich etabliert haben. Außerdem kann ersichtlich sein, wann Personen in der Regel zu Hause sind und wann nicht.

Gefahren kennen und aktiv begegnen

Je detaillierter die gesammelten Informationen sind, desto attraktiver können sie auch für verschiedene Akteure sein:

Hersteller: Häufig geben Nutzerinnen und Nutzer mehr persönliche Daten preis, als für die eigentliche Funktion eines Geräts notwendig ist. Dadurch entstehen umfangreiche Profile, also die Verknüpfung der gesammelten Daten, die oft auch ohne das bewusste Einverständnis erfolgt. Diese Informationen können für personalisierte Werbung genutzt oder an Drittanbieter weitergegeben werden. Gelangen sie in falsche Hände, steigt zudem das Risiko für Missbrauch durch kriminelle Akteure.

Cyberkriminelle: Daten sind für Cyberkriminelle wertvoll, weil sie sich auf vielfältige Weise zu Geld machen lassen: Persönliche Informationen wie Namen, Adressen, Nutzungsgewohnheiten oder Kontodaten werden in speziellen Untergrundforen verkauft oder für Betrugsversuche genutzt. Auch mit Verhaltensmustern, etwa wann jemand zu Hause ist oder welche Anwendungen häufig verwendet werden, lassen sich gezielte Angriffe planen. Zugangsdaten, Geräteinformationen oder Netzwerkdetails sind begehrt, weil sie Angreifern ermöglichen, sich weiter im Heimnetzwerk zu bewegen oder zusätzliche Schwachstellen auszunutzen. Kurz gesagt: Je detaillierter ein Datenprofil ist, desto höher ist der potenzielle Missbrauchswert. Cyberkriminelle greifen dabei nicht nur Geräte direkt an, sondern nutzen auch Schwachstellen bei Herstellern oder deren Cloud-Diensten, um an sensible Informationen zu gelangen. IoT-Geräte dienen dabei häufig als Einstiegspunkt, weil sie oftmals weniger gut geschützt sind als klassische Rechner oder Smartphones.

Vor dem Kauf und der Einrichtung lohnt es sich, bewusst zu prüfen, welche Daten ein Gerät wirklich benötigt und welche Funktionen sich deaktivieren lassen. Datenschutzeinstellungen, App-Berechtigungen und optionale Features sollten in Ruhe kontrolliert werden, bevor das smarte Geschenk im Alltag genutzt oder zu Weihnachten verschenkt wird. So bleibt die Kontrolle über persönliche Daten erhalten. Wichtig ist außerdem, dass einmal eingerichtete Geräte auch regelmäßig überprüft werden. Gibt es beispielsweise neue Updates? Genauso wichtig ist es, sich vorab zu überlegen, ob es notwendig ist, dass das Gerät bei Nichtnutzung trotzdem mit dem Internet verbunden sein muss.

Tim Berghoff

So, wie man beim Auto regelmäßig das Öl wechseln muss, brauchen auch smarte Geräte in regelmäßigen Abständen Aktualisierungen der Software, die auf ihnen läuft. Sonst können Sicherheitslücken entstehen, die erst dann sichtbar werden, wenn es bereits zu spät ist.

Tim Berghoff

Fünf praktische Tipps für einen sicheren Umgang mit smarten Geräten

  1. Sichere Einrichtung: Nehmen Sie sich Zeit, das technische Gerät vor dem Verschenken einzurichten und genau zu prüfen, welche Einstellungen und Berechtigungen notwendig sind und was Sie deaktivieren können.
  2. Datenschutzeinstellungen prüfen: Viele smarte Geräte sammeln mehr Daten, als für den eigentlichen Betrieb nötig wäre. Durch angepasste Einstellungen lässt sich dieser Umfang oft deutlich reduzieren.
  3. Separates Netzwerk: Trennen Sie smarte Geräte vom Hauptnetzwerk ab, indem Sie ein eigenes WLAN für diese einrichten.
  4. Updates installieren: Installieren Sie neue Updates regelmäßig, um Sicherheitslücken zuverlässig zu schließen.
  5. No-Name-Produkte: Billige smarte Geräte sparen häufig an Sicherheit, Updatepolitik oder Datentransparenz. Ein zuverlässiger Hersteller investiert meist mehr in Schutzmechanismen.

Fazit: Smarte Geräte bewusst nutzen

Smarte Geräte sorgen gerade als Geschenk zu Weihnachten für viel Freude. Diese bleibt bestehen, wenn ein paar wichtige Sicherheitstipps berücksichtigt werden. Wer versteht, welche Daten ein smartes Gerät erfasst und was in den Einstellungen angepasst werden muss, legt den Grundstein für mehr digitale Sicherheit im eigenen zu Hause. Mit wenigen, einfachen Maßnahmen – von klaren Berechtigungseinstellungen über starke Passwörter bis hin zu regelmäßigen Updates – lassen sich viele Risiken wirksam reduzieren. So bleiben smarte Weihnachtsgeschenke das, was sie sein sollen: Spielspaß für die Kleinen und Großen ebenso wie eine Erleichterung im Alltag.



Marita Bierhoff

Marita Bierhoff

Public Relations Managerin

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